Asana, Pranayama, Pratyahara

Bei uns im Wesen stehen quasi nur die körperlichen Aspekte des Yoga im Vordergrund, hingegen sieht es im alten Indien ganz anders aus. Yoga ist schon immer eine umfassende Wissenschaft zur Transformation von Körper, Geist und Seele gewesen.

Im acht-gliedrigen Pfad des Yoga, den Patanjali in seinem Yoga Sutra sehr zentral erläutert, werden die drei Punkte mit wenigen Versen behandelt. Man kann sagen, dass das „Ashtanga“ genannte Modell vom Groben ins Feine geht. Zuerst werden die Handlungen in der Welt besprochen und am Ende das Auflösen im Überbewusstsein. Die Punkte 3-5 behandeln Asana, Pranayama und Pratyahara:

Asana = Körper-Haltung, Sitz, Harmonie des Körpers

  • Als Asana werden alle bekannten Yoga-Stellungen bezeichnet.
  • Ziel jedes Asana ist es, die beschriebene Körperhaltung exakt und mühelos einnehmen zu können.
  • Die Beherrschung wenigstens eines Asana (traditionell: des Lotussitz, aber auch zwei drei andere Asana-Stellungen sind gut geeignet, die Stufen bis zum Gipfel der Meditation zu erklimmen.) ist die Voraussetzung, um sich erfolgreich in den Bereich der Meditation zu wagen. Ohne ein sauberes und schmerzfreies Asana wird das Meditieren nur mühsam.

Pranayama = Atembeherrschung, Harmonie der Lebensenergie

  • Beim Pranayama wird die Methode der Atemkontrolle erlernt und geübt. Dabei wird abwechselnd einer der beiden Nasenflügel mit dem Daumen verschlossen.
  • Durch das andere Nasenloch wird tief und vollständig eingeatmet, so dass die Prana-Energie bis in den Beckenboden hinaussinken kann und ihn weitet. Nachdem bis zu einigen Minuten die Luft so gehalten wurde, wird nun durch das andere Nasenloch ausgeatmet.
  • Ziel des Pranayama ist der Ausgleich der Energien der rechten und linken Körperhälfte (männliche und weibliche Energien). Faktisch bekommt es der Übende dabei heftig mit seinen eigenen Gefühlen zu tun.

Pratyahara = Zurückziehen der Sinne, Harmonie der eigenen Emotionen

  • Pratyahara tritt am leichtesten als ein Phänomen gut konzentrierter Meditation auf.
  • Die Aufmerksamkeit des Übenden ist so vollständig auf sein Meditationsobjekt gelenkt, dass er sich von der Außenwelt durch nichts mehr stören lässt.
  • Das führt dann dazu, dass buchstäblich nichts mehr gehört wird. Stille tritt ein. Bei anderen zeigt sich Pratayahara zuerst durch Schwärze.
  • Ist dieser Zustand erreicht, werden Energien erzeugt, die in der Wissenschaft als Alpha-Wellen beschrieben und in EEGs auch gemessen werden können.

 Patanjali über Asana, Pranayama, Pratyahara

“Die Körperhaltung sollte Stabil und angenehm sein.” oder “Der Sitz ist fest und leicht.”

“Das Eingehen in die Unendlichkeit wird durch Loslassen und Sammeln erreicht.” oder “Zum Meistern einer Stellung braucht es das Lösen der Spannung und die Meditation auf das Endlose.”

“Dadurch überwindet man die Polaritäten.” oder “Daraus entsteht die Unberührtheit durch die Dualität der physischen Welt.”

“Dann kommt die Beherrschung der Lebensenergie über Einatmung, Ausatmung und den Zwischenraum.” oder “Im Anschluss dann das Beruhigen der Bewegung von Aus- und Einatmung sowie der Atempause.”

“Einatmung, Ausatmung sowie Atemhalten wird verlängert und verfeinert durch Kontrolle von Intensität, Dauer und Häufigkeit.” oder “Innen und Aussen stabil, durch Raum, Zeit und Zahl reguliert, lang und subtil.”

“Das Vierte transzendiert Innen und Aussen.” oder “Die vierte Methode transzendiert Anhalten, Aus- und Einatmen.”

“Dadurch wird der Schleier vom Licht des wahren Selbst gelöst.” oder “Dies zerstört die Verhüllung des Lichtes.”

“Und der Geist wird auf Ausrichtung vorbereitet.” oder “Und die Gedanken Sammeln sich auf eines.”

“Pratyahara führt zum natürlichen Zustand und ist durch das Zurückziehen der Sinne von ihren Objekten erreicht.” oder “Wenn man die Sinne vom Erfahrbaren abzieht, und die wahre Natur im Geiste durchscheint wird es Pratyahara genannt.”

“Daraus entsteht die absolute Kontrolle über die Sinnesorgane.” oder “Daraus kommt die Meisterschaft über die Sinne.”