Die 5 Koshas – Schichten unseres Seins

Die Koshas sind die tieferen Schichten unseres Seins. Es gibt fünf Koshas, die zusammen unsere Aura / unsere Ausstrahlung ausmachen. Diese umfasst drei Körper = Shariras, und fünf Schichten bzw. Hüllen = Koshas. Das Wirken dieser Körper und Schichten erfolgt in beide Richtungen: vom grobstofflichen Körper immer tiefer nach innen zu unserem eigentlichen Wesenskern, dem Atman, oder vom physischen Körper immer weiter in die Ausdehnung nach Außen. Wollen wir gesund und glücklich leben, ist es wichtig, die fünf Koshas und damit die drei Körper zu reinigen und klar werden zu lassen. Es sind nicht die äußeren Dinge, die uns glücklich machen. Es ist
die Abwesenheit von Wünschen, Gedanken, Sorgen, Leiden. Äußere Dinge verhelfen uns manchmal zu einem staunenden, stillen, wachen Geist, insbesondere, wenn uns etwas Schönes / Wünschenswertes passiert. Da ist derGeist still und staunt. Stille im Geist, reine Wahrnehmung. In solchen Momenten sind die Koshas klar und transparent und lassen das durchscheinen, was sie umhüllen: unseren Wesenskern, das, was wir sind. Im Yoga Atmangenannt, die Seele. Denn das, was wir wirklich sind, ist nicht der Körper, sondern das, was er umhüllt. Ist die Seele frei, sind wir glücklich und strahlen. Denn unsere Seele ist von göttlicher Vollkommenheit: licht, klar, still und
voller Kraft und Glückseligkeit. SAT CHIT ANANDA: „Sat“ ist Sein, „Chit“ ist Bewusstsein und „Ananda“ ist Glückseligkeit. Diese von den alten indischen Weisen in Sanskrit formulierte Erkenntnis besagt: reines bewusstes Daseinmacht glücklich. Zu lernen, einfach da zu sein, ohne ständig etwas anderes haben zu wollen, als es ist, ist nicht leicht. Sind wir aber da mit dem, was das Leben auf uns zukommen lässt, so klären sich die Koshas und unser
wahres Selbst, Atman, die Seele kann hinaus leuchten wie durch transparentes klares Glas. Nur so können wir Glücklichsein erleben und strahlen. Ziel des Yoga ist, durch Körper-, Atem- und Konzentrationsübungen die fünf Koshas zu reinigen und die Seele, unser gesamtes Potential zu befreien. Im Folgenden sind beschrieben, welche Koshas wir haben, mit welchem Thema sie verbunden sind und welche Möglichkeiten der Klärung es gibt.

1. Die physische Hülle / Nahrungshülle (Annamaya Kosha):

 „Das Unendliche ist Brahman. Von ihm, von diesem SELBST, entstand der Raum; aus dem Raum der Wind; aus dem Wind das Feuer; aus dem Feuer das Wasser; aus dem Wasser die Erde; aus der Erde die Pflanzen; aus den Pflanzen die Nahrung; und aus der Nahrung der Körper des Menschen. Dieser Körper des Menschen, zusammengesetzt aus der Essenz der Nahrung, ist die physische Hülle des Selbst.“ ~ Taittiriya Upanishad (2.1)

Die Annamaya Kosha bildet den physischen Rahmen und ist die gröbste der fünf Koshas. Alle materiellen belebten und materiellen unbelebten Dinge bestehen aus dieser Kosha. Diese Schicht besteht aus den fünf Elementen Erde, Feuer, Wasser, Luft und Raum.

2. Die Vitalhülle / Energiehülle (Pranamaya Kosha):

In der Shvetashvatara Upanishad wird festgehalten, „Mann und Frau, Tier und Vogel leben durch den Atem. Atem wird deshalb das wahre Zeichen von Leben genannt. Es ist die Lebenskraft in jedem von uns, die bestimmt wie lange wir leben. Diejenigen, die den Atem als Geschenk des Herrn betrachten werden leben bis sie die volle Lebensspanne vollendet haben.“

Alles im Universum besteht aus Energie, Prana. Die Vitalhülle ist für die energetische Versorgung des physischen und geistigen Körpers zuständig. Prana, das durch Nadis zu den Zellen der belebten Dinge gelangt, erhält diese lebendig und gesund. Es gibt 72.000 Nadis/Energiekanäle. Die wichtigsten sind Sushumna, Ida und Pingala. Chakren koordinieren und verbinden die Nadis. Prana bewegt sich innerhalb des Körpers je nach Bedarf und Möglichkeit. Ohne Prana wäre der Körper leblos. Das Prana wird gemäß seiner Funktion in 5 Teile unterteilt: Prana Prana (zw. Kehlkopf und Zwerchfell) ist für das Atmungssystem verantwortlich. Apana Prana ist die nach unten wirkende Kraft (Darm-, Blasenentleerung, Menstruation). Udana Prana ist für die sensorischen Rezeptoren wie Augen, Nase und Ohren und die nach oben gerichteten Vorgänge wie Sprechen, Erbrechen, etc. zuständig. Samana Prana ist für die Verdauungsorgane sowie die Kontrolle der Organe der Bauchregion zuständig. Vyana Prana durchzieht den gesamten Körper, koordiniert die anderen Pranas und ist für alle peripheren Vorgänge wie z.B. Nervenimpulse und Blutkreislauf zuständig. Sind die fünf Pranas ausgeglichen, ist der Mensch gesund.
Sind sie unausgeglichen, ist der Mensch krank. Pranamaya Kosha stellt die Brücke zwischen Körper und Geist dar. Daher setzen die Übungen des Yoga auf dieser Ebene an, um den Geist und die emotionale Verfassung des Übenden zu beeinflussen.

3. Die emotional-geistige Hülle (Manomaya Kosha):

In der Shvetashvatara Upanishad heißt es: „In der mentalen Hülle, gemacht aus Gedankenwellen, ist die Hülle der Weisheit enthalten. Sie hat die gleiche Form, mit dem Glauben als Kopf, der Gerechtigkeit als rechtem Arm und der Wahrheit als linkem. Die Meditationspraxis ist das Herz, und die Unterscheidungsfähigkeit die Basis. Weisheit bedeutet ein Leben des selbstlosen Dienens. Selbst die Götter bemühen sich um spirituelle Weisheit. Diejenigen, die Weisheit erlangen sind frei von der Sünde, und alle selbstlosen Wünsche werden gewährt werden.“

Diese Schicht ist das Instrument, das Informationen über die Sinneseindrücke sammelt, und ebenso der Sitz aller Wünsche, Bedürfnisse, Gefühle, Ängste, Erinnerungen, Unterbewusstsein. Hier funken sozusagen ständig unbewusste Botschaften zwischen den Körperschichten hin und her. Vorlieben und Abneigungen befinden sich in dieser Hülle. Sie erzeugt Verhaftungen. Auf Grund ihres emotionalen Charakters, sowie der Vorlieben und Abneigungen, reagiert diese Hülle sehr schnell auf äußere Subjekte (z.B.: Stau, leckeres Essen, attraktiver Mensch, etc.). Die Manomaya Kosha von Tieren und Menschen ist gut entwickelt. Stress, der für stressbedingte Krankheiten verantwortlich ist, hat seinen Ursprung in der Manomaya Kosha.

4. Die Intellekt-/Weisheits-Hülle (Vijnanamaya Kosha):
Dies ist der Ort der Intelligenz / Weisheit, die in der Lage ist, zu beobachten und die Informationen, die die Manomaya Kosha zur Verfügung stellt, zu unterscheiden, zu analysieren, zu reflektieren und zu interpretieren. Idealerweise werden auf dieser Bewusstseinsebene Entscheidungen getroffen, die zu einem bewussten Handeln führen.
Wenn der emotionale Teil des Geistes uns aufgrund seiner Vorlieben und Abneigungen zu falschen
Handlungen bringt, kann uns der intellektuelle Teil verbessern und wieder auf den rechten Weg bringen. Er unterscheidet zwischen Richtigem und Falschem, um langfristig Glück und Klarheit zu erlangen. Weise Menschen verfügen über eine höher entwickelte Vijnanamaya Kosha. Was den Menschen vom Tier unterscheidet ist eben diese Hülle, die ihn zu Unterscheidungsvermögen (Buddhi) befähigt. Bei Tieren und Pflanzen ist diese Hülle in Schlafzustand, bei unreflektierten, geistig kranken und von der Manomaya oder Annamaya Kosha getriebenen Menschen in einem sehr schwachen Zustand.

5. Die Glückseligkeitshülle / Wonnehülle (Anandamaya Kosha):

In der Shvetashvatara Upanishad heißt es: „Innen ist enthalten die Hülle der Glückseligkeit, welche die gleiche Form hat, mit der Freude als Kopf, der Zufriedenheit als rechtem Arm und der Begeisterung als linkem. Glückselikeit ist das Herz, und Brahman der Grund. Diejenigen, die den Herrn leugnen, leugnen sich selbst; diejenigen, die den Herrn bejahen die bejahen sich selbst. Der Weise, nicht der Unkluge, erkennt den Herrn.“

Sie ist die feinste der fünf Hüllen. Sie wird nicht von Emotionen, Schmerz, Kummer oder Aufregung
berührt. Sie ist der Zustand der Stille, Wonne, vollkommener Harmonie. Hier liegt der wahre Frieden und nachhaltige Glückseligkeit. Jeder Mensch erlebt diesen Zustand irgendwann in seinem Leben, jedoch verhindert der ununterbrochene Gedankenfluss, dass dieser Zustand lange andauert. Diese Hülle ist kurzfristig z.B. durch tiefe Meditation und Tiefenentspannung erfahrbar. Bei Menschen, die Selbstverwirklichung erreicht haben, ist diese Hülle der Wonne und Glückseligkeit dauerhaft entwickelt.