Die Schwingung „Ich bin“ von Mooji

Ihr kennt alle das Gefühl des Seins. Ohne es in irgendeiner Weise zu üben, sprechen alle
Wesen spontan von sich selbst als „Ich“ – ich bin, ich existiere. „Bin“ bedeutet zu existieren,
zu sein. Wer ist das „Ich“, welches ist, das „Ich“, welches existiert? Das Gefühl des Seins ist
von sich aus da und fühlt sich vollkommen vertraut an. Es ist der Beginn jeglicher
Wahrnehmung und wirkt während des Wachbewusstseins ohne jede Anstrengung als Zeuge
und Beobachter von allem, was sich ereignet, von allem, was für das Gefühl „ich bin“ von
Bedeutung ist.
Das Gefühl „ich bin“, „ich existiere“ ist die natürliche, nicht erlernte Art und Weise, durch die
wir unsere Existenz erkennen. Beginne mit dem Gefühl „ich existiere“. Das benötigt keine
Zeit, denn dieses Gefühl ist bereits hier, bevor irgendwelche Gedanken aufsteigen. Da es
zwischen diesem Gefühl und dir keinen Abstand gibt, musst du nicht dorthin gehen. Es
ist natürlicherweise hier, mit dem Bewusstsein und als Bewusstsein. Es ist ein und dasselbe.
Sei dir einfach deiner selbst gewahr. Lass nicht zu, dass sich dieses natürliche Gefühl von
Gegenwärtigkeit mit irgendeinem Konzept oder Gedanken oder einer Absicht verbindet. Alle
Bestrebungen wie „ich will das tun, ich hoffe es funktioniert, ich möchte erleuchtet werden“
sollten beiseitegelassen werden. Bleibe in dieser Schwingung – nicht nur in den Worten,
sondern in dem unmittelbaren, subjektiven Gefühl des Seins – „Ich bin. Ich bin hier.“ Das ist
alles.
Nun kann es sein, dass der Verstand sich einschleicht und sagt: „Also, ich sehe gar nichts, das
funktioniert nicht“, und der gewöhnliche Unheil stiftende Lärm wird aufgerührt, um die
Aufmerksamkeit abzulenken. Du bleibst jedoch fest in dem Gefühl des Seins verankert. Falls
du bemerkst und fühlst, dass die Aufmerksamkeit hier und dort abschweift, mach dir keine
Sorgen. Bring einfach die Aufmerksamkeit zurück zu dem einfachen „ich bin“.
Übe dies in kurzen Zeitspannen von jeweils ungefähr sieben Minuten. Sei einfach nur. Du
kannst dies im Sitzen tun oder sogar während des Gehens; es spielt keine Rolle. Anfangs
findest du es vielleicht leichter, wenn du für dich alleine sitzt und einen Ort und eine Zeit
findest, zu der du am wenigsten gestört wirst. Dies ist jedoch keine Bedingung oder
Voraussetzung. Erinnere dich daran: Wo immer du bist, das Gefühl der Gegenwärtigkeit
muss ohne jede Anstrengung bereits vorhanden sein. Die Tatsache, dass du dich als lebendig
und wach erfahren kannst, tritt deshalb in Erscheinung, weil das Gefühl „ich bin“ oder die
Gegenwärtigkeit als erstes da ist.
Konzentriere deine Aufmerksamkeit mit geschlossenen oder offenen Augen auf das Ziel der
Übung. Bleibe in der ursprünglichen Empfindung „ich bin“, dem Gefühl des Seins. Anfangs
fühlst du dich vielleicht müde, als wenn du geradezu versuchst, etwas zu tun, nämlich die
Empfindung „ich bin“ davon abzuhalten, sich mit anderen Gedanken zu vermischen. Andere
Gedanken kommen und wollen mit dir spielen, aber du lässt dich nicht darauf ein. Bleibe
einfach in dem Gefühl von „ich“ verankert. Allmählich, mit ein wenig Übung, wirst du
erkennen, dass die Wahrnehmung des „ich bin“ ohne Störung ganz für sich bleibt, und du
wirst beginnen, ein Gefühl von Weite und Frieden zu erfahren. Natürlicherweise wird sich
ein Gefühl einstellen, länger in diesem Zustand verweilen zu wollen. Fange dennoch mit
kurzen Zeitspannen von fünf bis sieben Minuten an, in denen du in dich selbst eintauchst.