EINFACH GESAGT, SIND YOGIS VERKÖRPERUNGEN DER WELT

 

Einfach gesagt, sind Yogis Verkörperungen der Welt, die ihre Körper als Werkzeug benutzen. Indem sie bestimmte Körperhaltungen oder Asanas einnehmen, verstehen sie besser, wie die Welt, die sie umgibt, funktioniert. Sie erlangen Einfühlungsvermögen, Mitgefühl und Sensibilität – Eigenschaften, die zu jenem höheren Bewusstseinsstand führen, der in den yogischen Schriften als chitta prasadanam bezeichnet wird.

Ganz wörtlich genommen, bedeutet das Sanskritwort Yoga »An-schirrung« oder »Verbindung«. Der Zustand des Yoga könnte also als ein Gefühl des Zusammenwirkens oder der allgemeinen Verbundenheit bezeichnet werden, in dem wir empfinden, dass ein Teil von uns in allem existiert und umgekehrt. Um das in seiner Tiefe zu ver stehen, versuchen wir Haltungen einzunehmen, die allem ähneln oder alles spiegeln, was wir im Universum kennen.
Eine Geschichte über König Artus (oder Arthur) und den Zauberer
Merlin verdeutlicht, was hier gemeint ist: Als Prinz meinte Artus, das Beste am Königtum sei die Ausübung der Macht über sein Reich. Merlin erteilte ihm daher eine Lehre: Er verwandelte den Prinzen in verschiedene Menschen, Tiere, Gegenstände und Elemente, damit er er fahre,wie es tatsächlich ist, wie es sich anfühlt, wenn man ein Bauer, ein Fisch, ein Baum, ein Fels oder das Wasser ist. Diese Erfahrungen gaben Artus die nötige Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. Er begriff: Das Wichtigste für einen König ist nicht zu herrschen, sondern zu dienen.
Die Praxis der Asanas hat ein ähnliches Ziel. Wir nehmen die Gestaltdes Baums, des Fischs, des Kriegers oder Weisen an, damit wir die Essenz von deren Natur besser verstehen. Wir können das Wissen des Weisen, die Stabilität des Baums, die Kraft des Kriegers buchstäblich spüren und fühlen uns so mit dem Leben um uns herum fester und tiefer verbunden. Durch die Praxis der Asanas fühlen wir, dass unser Körper ein Mikrokosmos im Universum ist.
Der Yogi ist bereit und willens, alle Seinszustände einzunehmen,
auch solche, die uns abstoßend erscheinen, wie die der Schlange und des Skorpions, ja sogar die als Toter. Durch Yoga erfahren wir so den anderen als uns selbst und uns selbst als den anderen. Regelmäßige Übung gibt uns die Fähigkeit, die aus unserem Ego, unseren Alltagsängsten und unserem Zynismus erwachsende Trennung und Isolation aufzulösen. Indem er Freude darüber empfindet, die ihn umgebendeWelt kennenzulernen, beginnt der Yogi seine Reise.
– Aus dem Buch ( Als Vishnu die Lotosblüte gebar )