Erkenne dich selbst ! ! !

Am Tempel des Apoll in Delphi war über dem Eingang deutlich und für alle sichtbar ein kurzer und markanter Spruch zu lesen:

„Gnothi Seautón“ – „Erkenne dich selbst“

und über dem Ausgang:

… dann erkennst Du Gott, das Universum und die Menschheit!

Selbsterkenntnis, als tägliche Übung, sollte der Anfang sein, die Basis für jedes Erkennen (Erkenntnis) von Gott, dem Universum, der Welt und den Menschen und daraus resultierend sinnvolles Denken und Handeln in dieser Welt.
Seit Jahrtausenden machten viele Weise und Philosophen, Dichter und Denker (insbesondere Goethe), u.a. auch Kant (bereits 1724 -1804) und später die Konstruktivisten, deutlich, dass sinnvolles Denken und Handeln letztlich nur auf Selbsterkenntnis basiert.
Kants Verdienst war es auch zu zeigen, dass das, was erkannt wird, von dem, der es erkennt, zwangsläufig abhängt, und zwar insofern, als der Erkennende das Erkannte notwendig konstruiert. Das bedeutet, dass die Wirklichkeit nicht so erkannt werden kann, wie sie an sich ist, sondern nur in jener Gestalt, in der sie für uns als solche erscheint. Alles ist nur innerhalb eines Bewusstseins und für dieses da.
Erkennbar wird die Welt, so Kant, ausschließlich als unsere Vorstellung – unser Konstrukt. Welcher Art Ordnung sie tatsächlich entspricht, bleibt unentscheidbar. Faktum ist, dass wir selbst der Welt notwendig Ordnung beibringen müssen, um sie überhaupt erkennen zu können, und dass es bloß unsere persönliche (lat. persona = deutsch: MASKE) Ordnung ist, wenn etwas geordnet erscheint. Letztlich waren wir es, die die Welt konstruiert haben, und wir haben sie genau so entworfen, dass wir sie auch erkennen konnten. Ja, wir konnten sie gar nicht anders konstruieren, da wir sie nur so entwerfen können, wie unser jeweiliger Bewusstseins-Stand es erlaubt.

„Daran erkenn ich den gelehrten Herrn.
Was ihr nicht tastet, steht euch meilenfern,
Was ihr nicht fasst, das fehlt euch ganz und gar,
Was ihr nicht rechnet, glaubt ihr, sei nicht wahr,
Was ihr nicht wägt, hat für euch kein Gewicht,
Was ihr nicht münzt, das, meint ihr, gelte nicht.“

Mephistopheles in ‚Faust II’ von Johann Wolfgang von Goethe
Seit ca. 100 Jahren (Einstein) weiß auch die Wissenschaft, dass in der Wirklichkeit keine Materie, Zeit und Raum existiert. Sondern jeder einzelne Mensch – nach den Gesetzen der Selbstorganisation – seine eigene illusionäre Realität, seine eigene individuelle Zeit, seinen eigenen individuellen Raum, ja seine eigene individuelle Materie konstruiert um

damit und daran Erfahrungen zu sammeln und Erkenntnisse zu gewinnen
und sich als GEISTIGES WESEN weiter zu entwickeln.

Im Sinne von:
„Der Mensch ist nach dem Ebenbild und Gleichnis Gottes geschaffen.“
D.h. Jeder Mensch hat potentiell alle göttlichen Eigenschaften (Ebenbild), aber – er ist Gott noch nicht gleich (Gleichnis).
Der Mensch sammelt also Erfahrung und gewinnt Erkenntnisse in der von ihm, durch die Wahrnehmung seiner Sinne und die Verarbeitung in seinem Gehirn (Verstand), selbst konstruierten illusionären Realität (Zeit, Raum, Materie) um irgendwann (Gott sei Dank nicht vorhersagbar), als GEISTIGES WESEN, gleich Gott zu werden.
Wenn Erkenntnis nun aber tatsächlich stets Selbsterkenntnis ist, bekommt das delphische „Gnothi Seautón“ rückwirkend eine ungeahnte Tragweite:
Es wird zur Schlüsselkompetenz für sinnvolles Denken und Handeln in der Welt.
Doch nicht nur das, was außen ist, liegt gleichsam in uns selbst, sondern auch, was von Haus aus innen wohnt und allem Äußerlichen Farbe gibt. Und genau dieses Innere (der wahre Mensch) wird es wohl gewesen sein, was jene Griechen, die den denkwürdigen Spruch in Delphi einmeißeln ließen, im Sinn hatten.
Selbsterkenntnis wird so zu einem Menschen bildenden und Welt schaffenden Element.
Diesem Innenleben, diesem Selbst, diesem „angeborenen und unveränderlichen Charakter“, wie später Schopenhauer schreibt, ist stets die größte Aufmerksamkeit zu widmen, ist er es doch, der unser Handeln „im Ganzen und Wesentlichen“ bestimmt. Selbsterkenntnis, Einsicht in das eigene Wollen, hat somit oberste Priorität. Denn nur wenn die eigene Individualität in ihren Talenten, Fähigkeiten und Vorlieben, aber auch in ihren Defiziten transparent wird, besteht die Möglichkeit, das Leben gezielt gestalten zu können. Nur wenn man dasselbe bewusst will, was man vorher blind – unbewusst – wollte, so Schopenhauer, wird man auch die richtigen Entscheidungen treffen:

„Ein Mensch muss wissen, was er will, und wissen, was er kann: Erst so wird er Charakter zeigen, und erst dann kann er etwas Rechtes vollbringen“ .

Freiheit wird damit zum Wissen um die stärksten Handlungsmotive, ihr Sprungbrett ist die Selbsterkenntnis. Der Mensch ist nur frei, wenn er zuerst einmal sich selbst erforscht hat. Weiß er einmal, wer er wahrhaftig ist, was er wirklich will und was er auch zu leisten im Stande ist, so kann er, wenn er weiterkommen möchte, bei vollem Bewusstsein verwirklichen, was seinem Charakter und seinen Talenten und Fähigkeiten adäquat ist.
Mensch – Werde, der du bist.
Der menschliche Wille aber, so Schopenhauer, wird allezeit nur durch sein stärkstes Motiv bestimmt. Er ist immer nur die Folge dieser einen Ursache, der er mit Notwendigkeit nachzukommen hat:

„Der Mensch tut allezeit nur, was er will, und tut es doch notwendig. Das liegt aber daran, dass er schon ist, was er will: Denn aus dem, was er ist, folgt notwendig alles, was er jedes mal tut.“

Erkenne dich selbst. Werde, der du bist.
Werde was Du im Kern bist!
Nicht was man aus Dir machen will.
Allen, die auf dem Weg zur Selbsterkenntnis sind und daraus resultierend sinnvoll Denken und Handeln wollen, empfehle ich dieses nachfolgende bemerkenswerte Video:
Du willst die Welt verändern ?
GUTE Idee ! … aber WIE ?
Willst Du den Diktator töten .., die Regierenden enthaupten oder die Reichen aufhängen ?
Würde dadurch etwas besser ? Oder kämen nicht nach kürzester Zeit neue nach ?
Was, wenn das Problem ganz woanders läge .., und was wenn DU Teil des Problems wärst ?
Oder anders gefragt :
Weißt Du überhaupt wer Du WIRKLICH bist ? … das solltest Du wissen, denn nur wenn Du das weißt, kannst Du adäquat handeln.