Krishnas tägliches Leben

Die vedischen mantras erklären, daß die Höchste Persönlichkeit Gottes nicht verpflichtet ist, irgend etwas zu tun: na tasya karyam karanam ca vidyate. Wenn der Höchste Herr also nichts zu tun braucht, wie kann man dann im Zusammenhang mit dem Höchsten Herrn von Tätigkeiten sprechen? Wie aus dem letzten Kapitel deutlich hervorgegangen ist, kann niemand so handeln wie Sri Krsna. Deshalb sollten wir uns die folgende Tatsache immer vor Augen halten: Man soll sich Krsnas Tätigkeiten zum Vorbild nehmen, aber man kann sie nicht nachahmen. So kann man zum Beispiel dem Vorbild von Krsnas Haushälterleben folgen; doch wer könnte Krsna imitieren und sich wie Er in viele Formen erweitern? Wir sollten deshalb stets daran denken, daß Sri Krsna, obwohl Er die Rolle eines Menschen spielt, nichtsdestoweniger gleichzeitig immer Seine Stellung als die Höchste Persönlichkeit Gottes beibehält. Wir können dem Beispiel Sri Krsnas folgen, das Er gegeben hat, als Er Sich jeder Seiner Gemahlinnen gegenüber wie ein gewöhnlicher Mensch verhielt, doch Sein gleichzeitiges Zusammensein mit mehr als 16.000 Frauen können wir nicht nachahmen. Die Schlußfolgerung lautet: Wenn wir vorbildliche Haushälter werden wollen, müssen wir dem Beispiel Sri Krsnas folgen, das Er in Seinem täglichen Leben gab; auf keiner Stufe unseres Lebens jedoch können wir Ihn nachahmen.

Sri Krsna ruhte des Nachts gewöhnlich bei jeder Seiner 16.000 Frauen, doch Er stand immer frühmorgens, drei Stunden vor Sonnenaufgang, auf. Die Natur hat es so eingerichtet, daß das Krähen der Hähne die brahma-muhurta-Stunde anzeigt. Wecker sind deshalb nicht nötig – sobald die Hähne frühmorgens krähen, weiß man, daß es Zeit zum Aufstehen ist. Sowie Krsna das Krähen vernahm, pflegte Er Sich aus dem Bett zu erheben, was Seinen Frauen jedoch nicht sehr behagte. Krsnas Frauen hingen so sehr an Ihm, daß sie lieber liegenbleiben und Ihn weiter umarmt halten wollten; doch sobald die Hähne krähten, wurden sie sehr betrübt und verwünschten das Krähen.

Im Garten eines jeden Palastes wuchsen parijata-Blumen. Die parijata ist nicht irgendeine gezüchtete Blume, denn wie wir bereits gehört haben, holte Krsna die parijata-Bäume aus dem himmlischen Königreich, um sie dann in all Seinen Palastgärten einzupflanzen. Früh am Morgen verbreitete ein sanfter Wind den Duft der parijata-Blumen und trug ihn auch in das Schlafgemach, wo Krsna gerade aufgestanden war. Angeregt durch diesen Duft, erschienen alsbald die ersten Honigbienen und summten durch die Luft, und auch das liebliche Zwitschern der Vögel erwachte. Gemeinsam klang dieser morgendliche Chor wie das Singen von Berufskünstlern, die Krsna Gebete darbringen. Srimati Rukminidevi, die erste Königin Sri Krsnas, wußte zwar, daß die brahma-muhurta die glückverheißendste Zeit des ganzen Tages ist, aber dennoch wurde sie jedes mal unzufrieden und betrübt, wenn die brahma-muhurtaanbrach, denn dies bedeutete immer, daß Krsna sofort aufstand und Rukminis Seite trotz ihres Bedauerns verließ. Ein vorbildlicher Haushälter sollte von Sri Krsna lernen, früh aufzustehen, wie bequem auch immer er, umarmt von seiner Frau, im Bett ruhen mag.

Nach dem Aufstehen wusch Sich Sri Krsna Mund, Hände und Füße und setzte Sich dann sogleich nieder, um über Sich Selbst zu meditieren. Das bedeutet jedoch nicht, daß auch wir über uns selbst meditieren sollen. Nein, wir müssen über Krsna, Radha-Krsna, meditieren – das ist wirkliche Meditation. Da Krsna natürlich Selbst Krsna ist, lehrte Er uns, als Er über Sich Selbst meditierte, daß man die brahma-muhurta zur Meditation über Radha-Krsna nutzen soll. Wenn Krsna also auf diese Weise meditierte, fühlte Er Sich sehr zufrieden, und ebenso werden auch wir transzendentale Freude und Zufriedenheit erfahren, wenn wir die brahma-muhurta dazu nutzen, über Radha und Krsna zu meditieren, und wenn wir immer daran denken, wie sich Sri Rukminidevi und Krsna als vorbildliche Eheleute verhielten, um die gesamte menschliche Gesellschaft zu lehren, früh am Morgen aufzustehen und sich sofort im Krsna-Bewußtsein zu betätigen. Es besteht kein Unterschied zwischen der Meditation über die ewige Form Radha-Krsnas und dem Chanten des Hare-Krsna-mahamantra. Als Krsna meditieren wollte, blieb Ihm nichts anderes übrig, als über Sich Selbst zu meditieren. Das Objekt der Meditation kann das Brahman, der Paramatma oder die Höchste Persönlichkeit Gottes sein, und Krsna Selbst ist alle drei zusammen: Er ist die Höchste Persönlichkeit Gottes, Bhagavan; der lokalisierte Paramatma ist Seine vollständige Teilerweiterung, und das alldurchdringende Brahman ist die persönliche Ausstrahlung Seines transzendentalen Körpers. Krsna ist deshalb immer einer, und für Ihn gibt es keine Unterschiede. Das unterscheidet Ihn von einem gewöhnlichen Lebewesen, denn für ein gewöhnliches Lebewesen bestehen viele Unterschiede: Es ist verschieden von seinem Körper, und dieser bestimmte Körper, den es besitzt, unterscheidet sich seinerseits von den vielen Körperformen der anderen Lebewesen. Ein Mensch unterscheidet sich von den anderen Menschen und den Tieren, und selbst am eigenen Körper gibt es viele Körperteile mit den unterschiedlichsten Funktionen. Die Arme beispielsweise können niemals die Aufgabe der Füße erfüllen, und mit den Füßen kann man niemals das tun, was man mit den Händen tun kann. Die Augen können nicht hören wie die Ohren, und die Ohren können nicht sehen wie die Augen. All diese Unterschiede bezeichnet man auf Sanskrit als svajitiya vijitiya.

Die Begrenztheit, die einem durch den Körper auferlegt wird – wie zum Beispiel die Unfähigkeit, mit einem Körperteil die Funktion eines anderen auszuführen -, besteht für die Höchste Persönlichkeit Gottes nicht. Zwischen Krsnas Körper und Ihm Selbst gibt es keinen Unterschied. Er ist völlig spirituell, und daher besteht zwischen Seinem Körper und Seiner Seele kein Unterschied, wie dies bei materiellen Körpern der Fall ist. Ebenso ist Er nicht verschieden von Seinen millionenfachen Inkarnationen und vollständigen Erweiterungen. Baladeva ist die erste Erweiterung Krsnas, und von Baladeva gehen Sankarsana, Vasudeva, Pradyumna und Aniruddha aus. Sankarsana erweitert Sich in Narayana, von dem eine zweite Vierererweiterung in Form von Sankarsana, Vasudeva, Pradyumna und Aniruddha ausgeht. So gibt es unzählige Erweiterungen Krsnas, aber sie alle sind eins. Von Krsna gehen viele Erweiterungen aus, wie Sri Nrsimha (die Halb-Mensch-halb-Löwen-Inkarnation), Sri Varaha (die EberInkarnation), Sri Matsya (die Fisch-Inkarnation) und Sri Kurma (die Schildkröten-Inkarnation); aber zwischen Krsnas ursprünglicher, zweiarmiger Gestalt, die der eines Menschen gleicht, und all diesen gigantischen Tierinkarnationen besteht kein Unterschied. Ebenso gibt es bei Ihm auch keinen Unterschied zwischen den Fähigkeiten eines Körperteils und denen eines anderen. Er kann Seine Arme als Beine gebrauchen; Seine Augen vermögen zu hören wie Seine Ohren; Seine Nase kann die Funktion jedes anderen Körperteils erfüllen, und So fort. Wenn Krsna riecht, ißt oder hört, ist es dasselbe. Wir, die begrenzten Lebewesen, müssen für all diese Funktionen jeweils einen ganz bestimmten Körperteil benutzen, aber Krsna unterliegt nicht solchen Dualitäten. In der Brahma-samhita heißt es: angani yasya sakalendriya-vrtti. Jeder Teil Seines Körpers kann die Funktionen der anderen Körperteile erfüllen.“ So gelangt man durch das analytische Studium Krsnas und Seiner Person zu der Schlußfolgerung, daß Er das vollkommene Ganze ist. Wenn Krsna meditiert, meditiert Er deshalb über Sich Selbst. Wenn ein gewöhnlicher Mensch über Sich Selbst meditiert, was auf Sanskrit als so ‚ham bezeichnet wird, so ist dies bloß eine klägliche Imitation. Krsna kann über Sich Selbst meditieren, denn Er ist das vollkommene Ganze; wir aber können Ihn nicht nachahmen und über uns selbst meditieren. Unser Körper ist eine äußerliche Bezeichnung, Krsnas Körper dagegen nicht. Krsnas Körper ist ebenfalls Krsna. Es gibt nichts in Krsna, das sich von Ihm unterscheidet; mit anderen Worten, was immer in Krsna ist, ist ebenfalls Krsna. Er ist deshalb das höchste, unzerstörbare, vollständige Dasein, die Absolute Wahrheit.

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