Liebe. Was ist das?

Was ist Liebe wirklich? Der Autor M. Scott Peck sagt, dass Liebe eine Entscheidung, keine Reaktion ist. Sie ist eine Wahl, keine erwidernde Rückantwort. Dies könnte eins der wichtigsten Dinge sein, was je jemand über dieses Thema zum Ausdruck brachte.

Wahre Liebe ist nie das Resultat dessen, wie eine andere Person schaut, wie sie sich verhält oder mit uns in Beziehung tritt. Sie ist eine Wahl, liebevoll zu sein, egal, wie jener Andere schaut, sich verhält oder mit uns umgeht.

Dies bedeutet nicht, dass uns wahre Liebe dazu auffordert, in einer Beziehung zu verbleiben, die missbräuchlich ist, oder die nicht mehr länger funktioniert, oder die nicht erfüllend ist. Bringe die Wörter „Liebe“ und „Beziehung“ nicht durcheinander. Wir erweisen nicht, dass wir jemanden lieben, indem wir in einer Beziehung verbleiben. Tatsächlich kann es Momente geben, wo wir jemanden zu lieben erweisen können, indem wir ihn verlassen.

Es ist also nicht wahr, Liebe erfordere, dass wir lange, nachdem unser eigenes Glück entschwunden ist, lieben.

Sofern eine Person uns gegenüber missbräuchlich ist, so ist es Missbrauch gegenüber diesem Menschen, ihm zu erlauben, seinen Missbrauch fortzusetzen. Denn, sofern wir die Fortsetzung seines Missbrauchs erlauben, worin leiten wir sie an? Wenn wir es allerdings klarstellen, dass der Missbrauch unakzeptabel ist, was hat die Person dann hinzugelernt?

Sind wir in einer Beziehung nicht mehr länger glücklich, so stehen wir einer der wichtigsten Fragen im Leben gegenüber: Haben wir das Recht, glücklich zu sein?

Die Antwort ist Ja. In einer Beziehung zu verbleiben, in der man nicht länger glücklich ist, da „du gesagt hast, du willst es“, bringt rundum Unglücklichsein hervor. Es ist wohl die Zeit gekommen, dort herauszukommen.

Selbstverständlich, es ist wahr, niemand kann je aus einer Beziehung „herauskommen“. Wir sind stets miteinander in Beziehung, und das Einzige, was sich ändert, ist die Form, die die Beziehung annimmt.

Eine Beziehung kann man nicht beenden, man kann sie nur umgestalten. Denke also nicht in Begriffen des Beendens einer Beziehung, denke in Begriffen, sie umzugestalten. Du möchtest womöglich ihre Form ändern, oder, du möchtest womöglich an der Form festhalten – aber ändere ihren Inhalt.

Der Entschluss, jemanden zu lieben – ihn wahrhaft zu lieben -, ist eine sehr hohe Wahl. Er ist das Anzeichen eines Meisters.

Jemanden als eine „Reaktion“ zu lieben, ist eine andere Art an Erfahrung. Sie ist das Anzeichen für einen Schüler.

Die Gefahr, jemanden als eine Reaktion zu lieben, besteht darin, dass derjenige, den wir lieben, sich ändern wird. Tatsächlich ist es sicher so, dass er es wird.

Er mag an Gewicht zunehmen oder abnehmen. Er mag seine Persönlichkeit ändern. Er mag seine Vorstellungen über etwas für uns Wichtiges wechseln. Und sofern wir das nicht mögen, was der Andere uns in die Beziehung hinein verbringt, könnten wir auf eine enorme Enttäuschung zuhalten.

Wir kommen somit zu der zweiten großen Wahrheit über all dies: Liebe dreht sich nicht um das, was der Andere dir bringt, sie dreht sich um das, was du dem Anderen bringst. Tatsächlich ist der Zweck aller Liebesbeziehungen, uns mit einer Gelegenheit dafür zu versehen, zu entscheiden und zu erklären, zu verkünden und zum Ausdruck zu bringen, zu werden und zu erfüllen Wer Wir Wirklich Sind.

Dies ist vielleicht eine andere Art, die erste Wahrheit neu zu formulieren, da Wer Wir Wirklich Sind eine Wahl, keine Reaktion, darstellt. Es ist eine Entscheidung, keine Reaktion – obschon es zutreffend ist, dass die Meisten denken, es sei andersherum.

Spreche ich mit jungen Menschen, so sage ich ihnen, dass es zwei Fragen gibt, die mit dem Leben und mit Beziehungen zu tun haben, welche zu stellen jedem förderlich wäre:

Wohin gehe ich?
Wer geht mit mir?

Diese Fragen in der richtigen Reihenfolge zu stellen, ist wichtig. Viele Leute drehen sie um – und haben es für den Rest ihres Lebens mit Leiden zu tun.

Zunächst fragen sie, wer geht in meinem Leben mit mir? Dann fragen sie, wohin gehe ich? Oft ist die Zielwahl durch die Wahl des Begleiters bedingt und in Kompromissen ausgehandelt. Dies kann zu einer sehr beschwerlichen Reise führen.

Kürzlich fragte mich eine junge Frau in den Zwanzigern: „Wie fühlt es sich an, wenn man verliebt ist?“ Ich sagte ihr, ich könnte das nicht für jemand anderes beantworten, aber ich wisse, wie sich das für mich anfühlt. Es fühlt sich so an, als wäre nur ein Einziger im Raum.

Während ich mit der Geliebten zusammen bin, fühlt es sich so an, als gebe es keinen Platz, wo „ich“ ende und wo „sie“ beginnt. Schaue ich in ihre Augen, so ist es so, als schaute ich in meine eigenen. Spüre ich, dass sie traurig ist, so ist es so, als durchstäche die Traurigkeit mein Herz. Lächelt sie, so lächelt das Herz von mir mit ihr – als sie.

Ich wollte, ich könnte derart über jedermann empfinden. Darauf arbeite ich zu. Ich empfinde es jeden Tag mit mehr und mehr Menschen.

Ein Kurs in Wundern’ gibt uns zu verstehen: „Keine besonderen Beziehungen.“ Anders gesagt, keine einzige Person sollte für uns spezieller sein als eine andere. In der Weise erfährt Gott Liebe. Es existiert keine Bedingung, und niemand ist besonderer als ein anderer.

Für die Meisten ist das schwer zu verstehen. Wie kann uns Gott gleich lieben, das „Gute“ wie das „Schlechte“ gleichermaßen? Das liegt daran, Gott sieht uns nicht als „gut“ oder als „schlecht“. In Gottes Augen sind wir alle vollkommen, egal, wie wir uns verhalten. Menschenwesen haben einen weiten Weg zurückzulegen, bevor sie sich das zueigen machen. Die Meisten von uns gesellen unserer Liebe Bedingung nach Bedingung zu, und wir sind rasch dabei, die Liebe zurückzuziehen, wenn jenen Bedingungen nicht entsprochen wird.

Die dritte große Wahrheit über die Liebe besteht also darin, dass sie keine Bedingungen kennt. So etwas wie „Ich liebe dich, WENN ….“ gibt es in Gottes Welt nicht.

Die vierte große Wahrheit über die Liebe ist, dass sie keine Beschränkungen kennt. Liebe ist Freiheit, in Erfahrung gebracht. Totale und absolute Freiheit. Und so ist jemand, der einen Anderen liebt, nie bestrebt, jenen Anderen irgendwie einzuschränken oder zu begrenzen. Das ist für Viele etwas Schweres. Für Viele übersetzt sich Liebe, grob gesprochen, in „Eigentümerschaft“. Selbstverständlich – nicht, dass dies je zum Ausdruck gebracht wird. Es wird gefühlt. Es ist ein gespüres Empfinden des „Du bist mein“.

Natürlich kann in der wahren Liebe nichts weiter von der Wahrheit entfernt sein. Und in der wahren Liebe sind solche Vorstellungen und Gedanken nie Teil der Erfahrung. Niemand besitzt jemanden, und niemand handelt so, als würde der Andere es tun.

Dies hat weitreichende Implikationen, wie man sich vorstellen kann. Ich stelle nun also die fünfte, und womöglich die „kontroverseste“ Wahrheit über Liebe auf, die ich kenne.

Liebe sagt nie nein. Nicht gegenüber Menschen gleicher Reife und Intelligenz. (Wir sprechen hier nicht von Kindern. Lasst uns die hiesige Erörterung auf Erwachsene begrenzen.)

Gleich, worin die Anfrage aufseiten des Geliebten besteht, Liebe sagt Ja. Dies bedeutet nicht, dass persönliche Meinungen nicht zum Ausdruck gebracht, oder dass persönliche Präferenzen nicht kundgetan werden. Das bedeutet, dass schlussendlich dem/der Geliebten eine Anfrage nie versagt wird. Wer sind wir, um jemandem etwas zu versagen?

Noch einmal, für Viele ist das schwierig, damit zurecht zu kommen. Doch derart liebt Gott. Ich bin kühn, in meinen Vorträgen und Retreats zu sagen, dass die Göttin nur ein Wort in ihrem Vokabular hat. Die Göttin sagt immer Ja.

Egal was du möchtest, egal was du wählst, er sagt nie Nein.

Dieser Gedanke kann auf zwei Wörter gebracht werden: Gott gibt statt.

Ich glaube, die Wörter „Gott“ und „Liebe“ sind untereinander austauschbar, man kann dann sagen: „Liebe gewährt“.

Zum Schluss, das tut die Liebe. Liebe gibt statt. Sie beschränkt nie, sie begrenzt nie, sie beendet nie, sie gewährt schier. In wahren Liebesbeziehungen bekommst du, was du möchtest.

Die letztliche Wahrheit über die Liebe ist die, dass sie sich selbst immer wieder erneuert. Sie geht nie aus. Mache somit einen jeden Tag in deinem Herzen zu deinem Hochzeitstag. Auch dann, wenn du nicht verheiratet bist. Weil du es bist, nichtwahr. Mit Jedem. Wir sind alle Eins.