Ramana Maharshi “ Wer bin ich „

Ramana Maharshi gehört zu den Einflussreichsten spirituellen Lehrern des letzten Jahrhunderts der die Grundlage des Hinduismus dem Westen in Form des Advaita Vedanta zugänglich machte. Durch sein bloßes Sein, ohne viele Worte, hat er sehr viele Menschen inspiriert sich für eine höhere Wirklichkeit zu öffnen.

„Der beste aller Wege, das Selbst zu erkennen, ist das Fragen: „Wer bin ich?“ Anhaltendes Fragen nach dem Wesen des Gemüts verwandelt dieses in das, worauf sich das „ich“ bezieht, und das ist letztlich das Selbst… Das Gemüt ist nichts anderes als ein Bündel von Regungen; so kann es nur zur Ruhe kommen durch das Fragen: „Wer bin ich?“

„Das Ego muss dasselbe sein im Wachzustand, Traum und Tiefschlaf. Entdecke die Wirklichkeit hinter diesen Zuständen; sie ist das, was ihnen zugrunde liegt. In jenem Zustand gibt es nur Sein, weder „ich“ noch „du“ noch „er“, weder Gegenwart noch Vergangenheit noch Zukunft.“

Der Maßstab, mit dem der Fortschritt gemessen werden kann, ist das Ausmaß, in dem unerwünschte Gedanken fernbleiben und die Konzentration auf einen einzigen Gedanken gelingt.“

„Was ist Meditation? Das Vertreiben der Gedanken. Halte dich an einem fest, damit die anderen vertrieben werden.“

„Es soll den Schüler leidenschaftlich und ohne Unterlass verlangen, vom Jammer des Daseins freizukommen – nicht, indem er im Leben davonläuft, sondern indem er über Gemüt und Denken hinauswächst.“

„Wer den Pfad der Erkenntnis geht, streift das ich von sich und nimmt seinen Stand im letzten Gewahrsein des Selbst.“

„Anfangs ist nichts ohne Anspannung möglich; kommst du tiefer, ist dir keine Anspannung möglich.“

„Kein wahrhaftes Erkennen ohne die Gnade, und keine Gnade, die wirksam wäre, wo kein bemühen um Erkenntnis ist. Beide bedürfen einander.“

„Stillsein bedeutet nicht Verneinung des Tätigseins oder trägen Stillstand. Stille ist nicht bloße Verneinung von Gedanken und Regungen, sondern etwas Positiveres, als du dir vorstellen kannst. In dieser schweigenden Stille wurzelt Gott, wurzeln die Erlösten.“

„Alle Kontroversen über die Schöpfung, das Wesen des Universums, die Evolution, den Zweck Gottes usw. sind nutzlos. Sie machen uns nicht wahrhaft glücklich. Die Menschen versuchen, Dinge herauszufinden, die außerhalb von ihnen sind, bevor sie versucht haben, herauszufinden, «Wer bin ich?» Doch nur dadurch ist wahres Glück zu erlangen.“

Alle Zweifel verschwinden, wenn der Zweifelnde und seine Quelle gefunden sind. Es nützt nichts, einen Zweifel nach dem anderen zu beseitigen. Haben wir einen besiegt, taucht schon der nächste auf, und die Zweifel nehmen kein Ende. Wenn man aber die Quelle des Zweifelnden sucht, findet man, daß er gar nicht existiert, und dann sind alle Zweifel verschwunden.

Das Ich-Gefühl gehört zur Person, zu Körper und Verstand. Wenn ein Mensch sein wahres Selbst zum ersten Mal erkennt, erhebt sich auch etwas anderes in der Tiefe seines Wesens und ergreift von ihm Besitz. Dieses andere ist hinter dem Verstand, es ist unendlich, göttlich, ewig. Einige Leute nennen es das Königreich des Himmels, andere nennen es die Seele, wieder andere Nirvana, und die Hindus nennen es Befreiung. Man mag es nennen, wie man will. Wenn das geschieht, hat der Mensch sich selbst nicht verloren, er hat sich vielmehr selbst gefunden.

as Wesen des Geistes ist Gewahrsein oder Bewußtsein allein. Wird er jedoch vom Ego beherrscht, dann funktioniert er als Vernunft, Denken und Sinneswahrnehmung. Für das kosmische Bewußtsein, das nicht durch das Ego begrenzt wird, gibt es nichts von sich selbst Getrenntes, und es ist bloß gewahr. Das ist, was die Bibel mit «Ich bin, der ich bin» meint.

Die falsche Vorstellung «Ich bin der Körper» ist die Ursache von allem Unglück. Diese falsche Vorstellung muß verschwinden. Das ist Verwirklichung. Verwirklichung ist kein Erwerb von etwas Neuem und keine neue Fähigkeit. Sie ist lediglich die Entfernung aller Tarnungen.

Die Menschen möchten das Selbst als etwas Neues sehen. Aber es ist ewig und gleichbleibend. Sie wollen es als strahlendes Licht oder so etwas sehen. Wie wäre das möglich! Es ist weder Licht noch Finsternis. Es ist nur, was es ist, und kann nicht definiert werden. Die beste Definition ist «Ich bin, der ich bin».

Es gibt kein Ziel zu erreichen, nichts, was erlangt werden muß. Sie sind das Selbst. Sie existieren immer. Über das Selbst kann nicht mehr ausgesagt werden als: es existiert. Gott oder das Selbst zu sehen ist nur, Sie selbst zu sein.

Nur spirituelle Anfänger brauchen eine besondere Zeit für die Meditation. Wer weiter fortgeschritten ist, beginnt die tiefere Seligkeit zu genießen, ob er arbeitet oder nicht. Während seine Hände in der Gesellschaft wirken, behält er seinen klaren Kopf in der Einsamkeit.

Wirkliche Wiedergeburt ist das Sterben des Ego in das absolute Bewußtsein. Darin liegt die Bedeutung der Kreuzigung Jesu. Solange die Identifizierung mit dem Körper dauert, wird immer ein Körper vorhanden sein, entweder dieser oder ein anderer, bis die Körpervorstellung sich in ihrer Quelle, dem Selbst, dem absoluten Bewußtsein, auflöst.